Privat, Sauvignon Blanc – eine Hommage an unsere Vorfahren.
NACHGEFRAGT BEI JOHANNES
Wie ist die Idee zu eurem PRIVAT entstanden?
Die Geschichte beginnt eigentlich schon 1997. Damals hat mein Vater erstmals einen Wein mit dem Namen „Privatfüllung“ etikettiert. Sein Ziel war es, die großen Weine unserer Vorfahren, also klassische Spät- oder Auslese ohne Botrytis, in die Gegenwart zu führen. Ende der 1990er-Jahre war dieser Weinstil kaum gefragt, trotzdem waren wir davon überzeugt, dass darin enormes Potenzial steckt.
Die Grundlage für unseren PRIVAT bilden besonders reife Beeren und Traubenteile, die einer klassischen Spät- oder Auslese entsprechen. Durch das natürliche Rosinieren konzentrieren sich die Inhaltsstoffe und Aromen ganz ohne Botrytis. So entstehen Weine mit großer Tiefe, Dichte und außergewöhnlicher aromatischer Präzision. Dieses Grundprinzip begleitet uns bis heute.
Wie ist dein Zugang bzw. deine Idee zu diesem Wein heute?
Als ich das erste Mal eine Muskat-Sylvaner-Auslese aus dem Jahrgang 1983 verkosten durfte, wusste ich, in welche Richtung ich gehen möchte. Vieles musste dafür gar nicht verändert werden. Entscheidend war vor allem die Arbeit im Presshaus. Mit der Anschaffung einer Korbpresse Anfang der 2010er-Jahre konnten wir noch feiner arbeiten. Sie liefert einen besonders klaren Most. Die Gärung verläuft langsam, oft über viele Monate. Wir greifen dabei kaum ein und begleiten den Wein so lange, wie er es braucht.
Warum erscheinen der PRIVAT, wie auch die restlichen Riedenweine, erst viele Jahre nach der Ernte?
Weil diese Weine Zeit brauchen. Wir möchten sie erst dann zeigen, wenn sie ihre Balance gefunden haben. Das ist Teil unseres Verständnisses von Wein.
Bis zu 54 Monate verbringen sie in Fass und Edelstahltank, bevor sie zum Teil unfiltriert abgefüllt werden.
Wenn man heute unsere Sauvignon Blancs verkostet, erkennt man die Entwicklung der vergangenen Jahre. Was steckt dahinter?
Ich glaube gar nicht, dass man einen einzelnen Punkt nennen kann, es ist vielmehr die Summe vieler kleiner Entwicklungen. Wir hinterfragen unsere Arbeit ständig und versuchen, Weinberg und Keller als Ganzes zu verstehen.
Die größten Veränderungen passierten und passieren noch im Weingarten. Uns beschäftigt sehr die Gesundheit unserer Böden, deshalb setzen wir zunehmend leichte Maschinen ein, um den Boden möglichst wenig zu verdichten. Zusätzlich haben wir Versuche angestellt, wie sich unsere Reben entwickeln, wenn wir sie nicht mehr Wipfeln, sondern Wickeln. Das Ergebnis hat uns so gut gefallen, dass wir es bei unseren Top Rieden bereits eingeführt haben.
Auch im Presshaus arbeiten wir heute noch präziser. Maischestandzeit, Pressdauer und Extraktion stimmen wir sehr bewusst auf den jeweiligen Jahrgang ab. Im Keller geht es anschließend vor allem darum, Geduld und Vertrauen in die Arbeit draußen zu haben. Gute Weine entstehen nicht durch möglichst viele Eingriffe, sondern indem man ihnen Zeit gibt. Deshalb schaffen wir Platz für mehrere Jahrgänge gleichzeitig – damit jeder Wein dann in den Verkauf kommt, wenn er bereit ist.
Noch etwas spannendes zum Schluss:
Warum heißt PRIVAT eigentlich „PRIVAT“?
Als mein Vater, Alois Gross den ersten PRIVAT im Jahr 1997 kelterte, war er von diesem Weinstil überzeugt – auch wenn damals kaum jemand einen solchen Wein trinken wollte. Nach dem Weinskandal der 1980er-Jahre galten konzentrierte Weine als unzeitgemäß.
Mit einem Augenzwinkern gab er ihm deshalb den Namen PRIVAT. Sein Gedanke war ebenso einfach wie ehrlich: „Wenn ihn niemand kaufen möchte, trinken wir ihn eben selbst.“
Zum Glück kam es anders: Heute zählt dieser Wein zu einen der charaktervollsten unseres Hauses, zu jener Flasche auch wir gerne greifen, wenn es einen besonderen Anlass zu feiern gibt.
