Der Pflanze tut’s gut – uns auch!

WEINGÄRTNER AM NUSSBERG

Wein zählt zu den ältesten Kulturgütern der Menschheit. Sein An- und Ausbau sowie das Weingenießen haben sich über Jahrhunderte weiterentwickelt. Heute sehen wir uns mit technischen Innovationen konfrontiert, die möglicherweise die Weingartenpflege revolutionieren. Selbst in Steillagen ist der Einsatz Sensoren-gesteuerter Maschinen denkbar. Nicht auszuschließen, dass sie bald Ähnliches leisten wie sorgsame Handarbeit. Wir denken oft darüber nach, wo die Grenze zwischen dem Weinbau als Handwerk und industrieller Produktion liegt. Eine reflektierte Auseinandersetzung mit dem derzeit stattfindenden fließenden Übergang ist notwendig.

 

LEIDENSCHAFTLICHE HANDWERKER

Wir sehen die Handarbeit als Grundlage des Kulturguts Wein, das den Austausch zwischen Pflanze und Mensch braucht: Die Pflanze deutet, der Mensch erkennt. Ohne Gärtner gibt es keinen Weingarten, nur eine Produktionsanlage. Natürlich verwenden auch wir Traktoren zum Mähen, für den Pflanzenschutz etc., doch je näher wir dem Rebstock kommen, desto intensiver wird der Austausch.

Ganz persönlich gesprochen: Wir beide fühlen uns als Weingärtnerin bzw. Weingärtner und lieben die Arbeit in der Natur. Es bereitet uns Freude, die Bedürfnisse jedes Weinstocks zu ergründen: Was kann die Pflanze leisten, was soll sie leisten? Was kann ich tun, um den Rebstock zu fordern, ohne ihn zu überfordern?

 

MEHR INDIVIDUELLE PFLEGE, WENIGER EINGRIFFE IM KELLER

Jede einzelne Traube verfügt über individuelle Eigenschaften, die wir im Keller zur Entfaltung bringen wollen. Wir begleiten die Weine bei ihrer Entwicklung, lassen sie sich selbst ausbauen und greifen nur dann ein, wenn es notwendig ist. Ein Beispiel dafür ist unser heuer abgefüllter Ried Nussberg Sauvignon Blanc 2017: Die spät geernteten Trauben wurden im Herbst 2017 nach einer Maischestandzeit von etwa zwölf Stunden gepresst. Der Saft vergor spontan in traditionellen Holzfässern und entwickelte sich ein Jahr lang auf der Hefe. Für das Zusammenziehen der einzelnen Fässer wählten wir eine dafür günstige Mondphase. Nach weiteren sechs Monaten auf der Feinhefe wurde der Wein zu Ostern 2019 abgezogen und in Flaschen gefüllt.

Dank des langen Ausbaus und der daraus resultierenden Klärung können wir auf jegliche Zusätze (außer etwas Schwefel), ja sogar auf die Filtration verzichten. Hier schließt sich der Kreis der Handarbeit: Der Respekt vor der Pflanze und die sachte, individualisierte Pflege ermöglichen dem Wein eine Entwicklung nach seinen Anlagen.

 

Juni 2019

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