Jahrgang 2019: Was ist denn schon normal?

Die Entwicklung der Rebstöcke fällt jedes Jahr anders aus. Wie das Wetter ist sie unvorhersehbar. Zu früh, zu kalt, zu trocken oder umgekehrt – Anlässe zum Zittern gibt es genug. Die richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt zu treffen, ist uns deshalb sehr wichtig. So wird jedes Weinjahr zu etwas Besonderem. Auch 2019 erlebten wir jahrgangsprägende Höhen und Tiefen – letztlich durften wir uns aber über eine Traumernte bei Traumwetter freuen.

Der sonnige März löste bereits Anfang April das Schwellen der Rebknospen aus. In unseren Breiten ist das ein ungewöhnlich früher Start in die Vegetation, der für uns Winzer auch Anlass zur Sorge ist. Es waren noch fast eineinhalb Monate bis zu den Eisheiligen Mitte Mai. Sollte der Austrieb ebenso zeitig vonstattengehen, hätte auftretender Frost üble Konsequenzen für uns. Doch April und Mai brachten kühle Temperaturen und verzögerten den Austrieb. In unseren Weingärten stellte sich „Normalität“ ein – anders als in den vergangenen Jahrgängen, die der gewohnten Entwicklung weit voraus waren.

Die Blüte im Fokus

Am 7. Juni verströmten die ersten Morillon-Blüten ihren feinen Duft. Die Blüte verlief sehr rasch und problemlos. Angetrieben vom sommerlichen Juniwetter und ausreichend Niederschlägen setzte ein intensives Wachstum ein, das unser Team im Weingarten auf die Probe stellte. An dieser Stelle möchten wir einen großen Dank an unsere Mitarbeiter aussprechen, die mit vollem Einsatz bereits bei Sonnenaufgang in unseren steilen Hängen arbeiten.

Galt die Rebblüte lange als ein Entwicklungskriterium unter vielen, wissen wir heute, dass diese kurze Phase entscheidend für eine gute Ernte ist. Um die Rebe bestmöglich zu unterstützen, setzen wir nur natürliche Stoffe wie Pflanzenseife, Kaliumhydrogencarbonat (Backpulver), Algenextrakte und die bewährten Wirkstoffe Kupfer und Schwefel ein.

Perfektes Lesewetter, intensive Selektion

Der Sommer verlief nahezu perfekt. Vier Hagelschläge ließen uns kurz zittern, doch die quantitativen Schäden hielten sich letztlich in Grenzen. Mit Abschluss der Laubarbeit Mitte August kehrte für ein paar Wochen Ruhe in den Weingärten ein. In der Zwischenzeit genossen wir den Urlaub mit der Familie und hackten im Gedanken an behaglich-warme Winterabende das aus unseren Mischwäldern eingebrachte Holz zu Schnitzeln.

Ab Mitte September entfernten wir in Feinarbeit jenen Teil der reifenden Trauben, der Schäden durch Hagel oder Insektenfraß aufwies. Die insgesamt fünf Erntewochen waren arbeitsreich, aber freudvoll. Bei herrlichem Wetter durften wir eine Traumernte einholen.

Fazit: Jedes Weinjahr lehrt uns auf seine eigene Weise eine zentrale Botschaft der Natur: Wer von ihrer Gunst abhängt, muss anerkennen, dass die Normalität im Unwägbaren besteht.

 

Dezember 2019

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